Mission Bachelor-Arbeit (Teil 2): Die Facebook-Counter-Revolution

7. Dezember 2011 § 3 Kommentare

…läuft. Wie man in diesem Zusammenhang zu sagen pflegt. Es könnte sicher besser laufen, aber Hauptsache ist wohl, dass es weiter geht und ich das Ziel nicht aus den Augen verliere. Mitten in der Nacht überfallen mich zwar schon mal die Gedanken, dass ich das alles niemals schaffen werde, aber insgesamt bin ich noch immer optimistisch, dass es eine gute Bachelorarbeit werden wird. Die Fragestellung nach dem realen Einfluss der neuen Medien auf den Arabischen Frühling fasziniert mich nach wie vor – wirklich ein Vorteil, wenn man sich so lange und so intensiv mit einem Thema auseinandersetzen soll.

Die große wissenschaftliche Problematik bei der Untersuchung der Inhalte von sozialen Netzwerken ist natürlich, dass man zwar jede Menge reliable Daten zusammensammeln kann, da diese in Nutzerstatistiken in der Regel automatisch erfasst werden; man sich aber zugleich nie über deren Validität sicher sein kann, da ja nicht alles, was man in einem sozialen Netzwerk über sich angibt auch der Wahrheit entspricht. Mit anderen Worten: Woher weiß ich, ob die ägyptische Bloggerin, der ich bei Twitter folge, tatsächlich bei diesen Demonstrationen dabei war oder ob sie nicht letztendlich nur von einem kreativen US-Amerikaner mit Langeweile erfunden wurde, wie es sich bei dem Blog „A Gay Girl in Damascus“ herausstellte.

Ein weiterer Aspekt, auf den ich während meiner Recherchen nun immer wieder stoße, ist die Tatsache, dass das Internet, natürlich nicht nur die Einflussmöglichkeiten der normalen Menschen auf der Straße erweitert, sondern auch den Diktatoren und Autokraten dieser Welt neue Instrumente zur Propaganda und Gehirnwäsche in die Hand gibt. Morozov schrieb wirft die berechtigte Frage auf, ob das Internet doch kein „Katalysator für sozialen Wandel“ ist, sondern viel mehr „der Kleber“, der autoritäre Regime vor dem Zerfall bewahrt. Als Beispiel bringt er unter anderem die chinesische ‚50 cent‘-Partei, deren ca. 280.000 Mitglieder für jeden regierungsfreundlichen Kommentar 50 Cent erhalten. Die gute Nachricht dabei: Die radikale Zensur scheint keine befriedigende Lösung zu sein. Ethan Zuckermann spricht in diesem Zusammenhang von der „Cute-Cat-Theory“. Diese handelt davon, dass diejenigen, die die Nutzung des Internets und insbesondere sozialer Netzwerke unterbinden, weniger den Regimegegnern, sondern vor allem all den normalen Menschen schaden, die auf Facebook einfach nur Bilder von süßen Katzen verbreiten wollen. Warum sind es eigentlich immer die Amerikaner, die so interessante Thesen in so treffende und leicht verständliche Bilder bringen?

Hier noch einmal ein Vortrag von Evgeny Morozov mit dem Titel „The Internet in Society: Empowering or Censoring Citizens“, der netterweise auch noch animiert wurde.

Den Anfang verpasst?

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„Rock’n’Roll der Worte“ – Poetry Slam in der Rostocker Kulturwoche

15. November 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Dichterschlacht im Ursprung ist unumstritten jedes Semester einer der Höhepunkte der Rostocker Kulturwoche. Der Ansturm der Zuschauer ist ungebrochen und das Niveau ist inzwischen so hoch wie nie. Da fiel die Kür des Gewinners zwischen „Tittenfick“, Berlin und Heringsgedichten schwer. 

Bereits eineinhalb Stunden vor Beginn der Veranstaltung stehen rund 30 Leute vor dem Eingang zur Kleinkunstbühne des Ursprung und warten geduldig auf den Einlass. Man kennt sich. Für viele von ihnen ist der Poetry Slam in jedem Semester der Höhepunkt der Rostocker Kulturwoche. Daher wissen sie auch, dass man früh da sein muss, um überhaupt reinzukommen. Einige standen schon auf der Bühne. Andere wollen es heute zum ersten Mal wagen. Vereinzelt sieht man jemanden mit einem Zettel in der Hand unruhig von einem Fuß auf den anderen treten.

Eine „Dichterschlacht“ – Was soll das eigentlich sein?

Ein Poetry Slam ist vereinfacht gesagt ein Wettbewerb, bei dem Literaten in einem zuvor bestimmten Zeitrahmen eigene Texte vortragen können. Den Gewinner bestimmt am Ende das Publikum. Doch eine so simple Erklärung wird dieser Veranstaltung eigentlich nicht gerecht. Poetry Slam ist mehr! Es ist nicht nur der Inhalt, der im Vordergrund steht, es ist die Performance, der Event-Charakter, die Authentizität und die Interaktion mit dem Zuschauer, die das Erlebnis so einzigartig machen und oft genug über Sieg oder Niederlage entscheiden. Poetry Slam ist Rock’n’Roll der Worte.

Die Ursprünge des Poetry Slams liegen in den USA. 1986 fand in Chicago der erste Wettstreit dieser Art statt. In den 90ern erreichte der Poetry Slam dann Deutschland und inzwischen ist er im Mainstream angelangt und hat auch in Rostock Tradition. Sogar unzählige wissenschaftliche Auseinandersetzungen gibt es inzwischen, z.B. über „Text-Performance-Zusammenhänge als Faktoren für Publikumswertungen“.

So gut wie nie

In Rostock streiten dieses Mal zwölf Teilnehmer um den Sieg. Der Erstplatzierte darf sich den Wanderpokal – den silbernen Punkt – mit nach Hause nehmen. Außerdem gibt es Bücher und Gutscheine für die ersten drei. Jeder hat zehn Minuten Zeit. Hilfsmittel sind nicht erlaubt. Schnell wird klar, dass das Niveau dieses Mal unglaublich hoch ist. Ein Spitzen-Beitrag folgt dem nächsten. Von Langeweile kaum eine Spur. Das Publikum hängt an den Lippen der Slam-Poeten und belohnt mit tosendem Applaus, nicht enden wollenden Lachsalven und grölenden Zustimmungsrufen. Schon wer überhaupt den Mut aufbringt, mitzumachen, hat eine solche Reaktion mehr als verdient – kann doch auch so manch alteingesessener Slam-Profi die Aufregung mit dem zitternden Blatt in der Hand nicht verhehlen. Auffällig nur, dass bloß eine einzige Frau nach Vorne tritt. Sollte der Slam etwa zur reinen Männer-Domäne verkommen?
Die Frage, wer die eigene Stimme am meisten verdient hat, ist am Ende jedenfalls so schwer zu beantworten wie nie.

1. Platz: Diego Hagen: „Und proudly präsentier ich ihn’ mein‘ Text über Berlin.“

Schon beim letzten Poetry Slam hatte der Greifswalder Student aus Berlin mit seinem Beitrag über das Suffix „-ieren“ die Gunst der Zuschauer auf seine Seite gezogen. Nach Rostock gebracht hatte ihn André Marschke, der ihm zuvor in seiner Stadt den ersten Platz vor der Nase weggeschnappt hatte. Diesen Mal reflektiert Diego in Reimform witzig und selbstironisch über seine Selbstzweifel und Hoffnungen vor der Veranstaltung, wirft einige Alliterationsgeschichten ein und endet mit einem vorwurfs- und doch auch liebevollen Text über und an seine Heimatstadt Berlin.

2. Platz: Hannes Nietz: „…so wie in Gladbach Giovane Elber.“

Betont ruhig, mit gepflegtem Understatement und der richtigen Prise Unsinn kommt Hannes daher. Da ist es dann auch nicht nur die Pointe mit Giovane Elber, die überzeugt, sondern auch die Gedichte, die die Höhrer in den Rostocker Hafen führen, z.B. der Text über Kubb-Spieler und der über die Heringe.

(Anm. d. Redakteurin: Ich bitte, die schlechte Tonqualität zu entschuldigen. Für meine Kamera war der Poet leider schon zu ruhig. Zur Vollständigkeit wollte ich allerdings auch dieses Video zur Verfügung stellen.)

3. Platz: Thomas Linke: „Tittenfick antäuschen und…“

Auch Thomas kennt man. Allerdings bisher nur als Teil eines Duos, das auch bereits Plätze auf dem nicht physisch vorhandenen Podium erkämpft hat. Doch auch solo hat er die Zuschauer schon mit dem ersten Satz auf seiner Seite„Tittenfick antäuschen und dann auf den Bauch kacken“. Und erste Sätze sollen auch das Thema seiner Präsentation sein.

Was haben wir gelacht

Ein weiteres Mal kann der Poetry Slam der Kulturwoche also als voller Erfolg gelten. Dabei setzen die meisten Poeten immer mehr auf Unterhaltung und diejenigen, denen das am besten gelingt, werden mit den entsprechenden Preisen belohnt. Doch nicht nur, dass Daniel Karstädt, Organisator der Kulturwoche, sich wohl langsam nach größeren Räumlichkeiten umsehen sollte – eigentlich hätte so mancher Slam-Poet der Runde auch genügend Potenzial an einem Abend alleine eine Bühne zu füllen. Inzwischen hat der Slam in Rostock schließlich seine eigenen Stars gekürt, die vor dem richtigen Publikum anscheinend gute Laune garantieren können.

Foto und Videos: Elisabeth Woldt

Dieser Artikel wurde zuerst auf www.heulermagazin.de veröffentlicht.

Mission Bachelor-Arbeit (Teil 1): Der arabische Frühling – eine Facebook-Revolution?

14. November 2011 § 4 Kommentare

Finalement ist die Anmeldung zur Bachelor-Prüfung beim Prüfungsamt abgeben –  inklusive der Bestätigung, dass ich mein Modul für interdisziplinäre Studien absolviert habe und der Unterschriften meines Erst- und Zweitkorrektors. Vor ein paar Tagen kam jetzt auch die Bestätigung, dass ich zugelassen wurde. Im inzwischen siebten Semester ist der Berg des von mir angehäuften Wissens und der ausprobierten Methodik also angeblich umfangreich genug, mir die Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit dieser Art zuzutrauen. Das meint sogar die Dame vom Prüfungsamt, deren Optimismus und Kooperationsbereitschaft in Bezug auf Studenten normalerweise nicht der Rede Wert ist. Ob die Annahmen zutreffen, gilt es noch zu beweisen.

Acht Wochen Zeit habe ich dafür. Der 15. Januar ist Tag X der Abgabe. Bis dahin sollten meine Gedanken auf mindesten 40 Seiten festgehalten sein. Danach wartet noch das Kolloquium auf mich.

„Die Rolle neuer Medien im arabischen Frühling“. Den genauen Fokus dieser Formulierung gilt es noch im Laufe des Arbeitsprozesses zu entdecken und im Untertitel festzuhalten. Es handele sich um ein sehr interessantes Thema, wird mir von allen Seiten versichert, sogar von jenen, die bisher noch nicht allzu viel mit meinem Studium anfangen konnten. Das sei ja richtig aktuell! Genau dieser Aspekt scheint es aber zu sein, der meinen Dozenten das größte Kopfzerbrechen bereitet (vorausgesetzt irgendein Dozent hat sich auch nur mal annähernd weiterreichende Gedanken über mich und mein Studium gemacht…). Mit fundierter wissenschaftlicher Literatur wird es an so einer Stelle natürlich dürftig, was auch mir bei meiner Vorabrecherche durchaus nicht entgangen ist. Interessant bleibt das Thema dennoch allemal. Ob es interessant genug ist, mich über hunderte Seiten von Fachliteratur hinweg zu motivieren, wird sich wohl ebenfalls erst noch zeigen.

Das Machtnetze durch Diskurse strukturiert werden, ist durch Foucault eine in der Wissenschaft bereits lange bekannte und breit akzeptierte Theorie. Und haben nicht Akteure der Zivilgesellschaft durch die Welt von Facebook, Blogs, Twitter und Co tatsächlich ganz neue Möglichkeiten, sich zu artikulieren, diese Machtnetze damit neuen Einflüssen auszusetzen und sie vielleicht sogar neu zu spannen, wenn man die Systemumbrüche in Ägypten und Tunesien betrachtet? Oder sind das wirklich nur Träumereien junger fortschrittsverliebter Idealisten, die die Möglichkeiten des Web 2.0. und vor allem die Bereitschaft der Menschen sich anspruchsvoll darin einzubringen sowie aus dem dort enthaltenen schier unendlichen Wissenspool zu schöpfen, einfach überschätzen?

Die ersten Aufsätze, die ich las, scheinen eher die zweite Frage zu bejahen. Der Aufsatz von Jon B. Altermann trägt den Titel „This Revolution will not be Tweeted“. Altermann erklärt darin, dass es noch immer die traditionellen Medien waren, die die wichtigste Rolle im arabischen Frühling gespielt haben. Es sei vor allem das Fernsehen und zwar insbesondere al-Jazeera gewesen, das die Ereignisse antrieb, ihnen das Label Revolution aufdrückte und die Bilder in die ganze Welt ausstrahlte. Zugleich erwähte er jedoch auch den Umstand, dass viele der Bilder, die dort gezeigt werden, von den Demonstranten selbst stammen und via Social Media zur Verfügung gestellt wurden. Auch benennt Altermann den Umstand, dass die Schwelle zum Aktivistendasein enorm gesenkt wurde, da ja bereits die Aufnahme eines Fotos oder Films politische Aktivität begründen konnte. Es bleibe jedoch die Problematik, dass auch neue Medien nicht dabei helfen Verfassungen auszuarbeiten oder Parteien zu gründen oder überhaupt die Mehrheit der Menschen außerhalb der großen Städte zu erreichen.

Welcher These ich mich letztendlich in meiner Bachelor-Arbeit anschließen werde – ich weiß es nocht nicht. Doch noch habe ich Lust, mich intensiv mit der Thematik zu beschäftigen und es herauszufinden. Wer auch immer etwas anzumerken hat, ist an dieser Stelle herzlich eingeladen, das zu tun.

Die Macht des fairen Konsumenten

14. Oktober 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Rostock – bald Hanse-, Universitäts- und Fairtrade-Stadt? Was heute noch realitätsfern klingt, könnte bald wahr werden. Im September beschloss die Bürgerschaft, den Titel »Fairtrade Town« anzustreben, den Kommunen im Rahmen der gleichnamigen Kampagne erwerben können. Damit wäre Rostock sowohl die erste Fairtrade-Stadt Mecklenburg-Vorpommerns als auch eine der ersten in den neuen Bundesländern.

»Fairtrade? Hat das nicht etwas mit diesem grün-blauen Siegel zu tun, das an ein Yin-Yang-Symbol erinnert?« So oder so ähnlich lauten für gewöhnlich die ersten Reaktionen von Konsumenten, wenn sie auf fairen Handel angesprochen werden – sofern sie das Siegel überhaupt kennen. Denn obwohl die Umsätze von Fairtrade-Produkten seit Jahren weltweit wachsen, machen sie in den meisten Ländern noch immer nur einen Bruchteil des Marktanteils aus.

Fair gehandelte Ware bekommt man in den Weltläden. In Rostock gibt es ein solches Geschäft schon seit 1990. Es befindet sich im Ökohaus in der Hermann­straße 36. ­Weitere Infos: oekohaus-rostock.de

Fairtrade bedeutet eigentlich nur, dass den Produzenten ein stabiler Mindestpreis für ihre Ware garantiert wird, der über dem durch Spekulationen starken Schwankungen unterworfenen Weltmarktpreis liegt und der die Produktionskosten auf faire Art und Weise decken soll. Dafür müssen die Hersteller bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Bedingungen einhalten, zum Beispiel das Verbot von Kinderarbeit. Eine Win-win-Situation für alle also.

Das bekannteste Fairtrade-Siegel, das für gerechte Produktionsbedingungen steht, ist das Transfair-Siegel. Die Einhaltung von dessen Bedingungen wird durch ein unabhängiges Zertifizierungsunternehmen der »Fairtrade­ Labeling Organization« überprüft und nach der Vergabe des Siegels regelmäßig kontrolliert. Die Händler, die diese Fairtrade-Produkte vertreiben, sind verpflichtet, eine Prämie an die Produzenten auszuzahlen. Diese wiederum muss in soziale und wirtschaftliche Entwicklung investiert werden, also beispielsweise den Aufbau von Schulen. Transfair-Siegel werden unter anderem für Kaffee, Tee, Kakao, Südfrüchte, Textilien, Wein und Blumen vergeben.

Seit 2009 können sich Kommunen in Deutschland für den Titel »Fairtrade Town« bewerben. Inzwischen gibt es deutschlandweit 54 Fairtrade-Städte. Weltweit sind es ungefähr 1.000 in 22 Ländern. Mehr dazu unter: fairtrade-towns.de

Was bedeutet das nun für die aufstrebende Fairtrade-Stadt Rostock? Der Titel wird keineswegs nur an Kommunen vergeben, die sich verpflichten, ausschließlich fair gehandelte Produkte zu kaufen und zu benutzen. Vielmehr geht es um die Einhaltung von fünf Kriterien: Der erste Schritt ist durch den Bürgerschaftsentscheid zur Zielsetzung bereits erfolgt. Gegen den Antrag der Grünen stimmte nur die FDP-Fraktion. Eine lokale Steuerungsgruppe zur Koordinierung der Aktivitäten hat sich ebenfalls schon gebildet. Gemäß der Größe der Stadt müssen am Schluss 31 Einzelhandelsgeschäfte, 17 Restaurants und Cafés sowie jeweils zwei Schulen, Vereine und Kirchen Fairtrade-Produkte verkaufen beziehungsweise verwenden. Des Weiteren ist es notwendig, dass an öffentlichen Bildungseinrichtungen Aktionen zum Thema durchgeführt werden und die lokalen Medien über die Fairtrade-Aktivitäten der Stadt berichten. Vonseiten der Unterstützer des Projekts zeigte man sich optimistisch, dass die Kriterien bald erfüllt werden könnten.

Fair gehandelter Kaffee ist das bekannteste Produkt mit dem Transfair-Siegel. Dennoch lag der Marktanteil im Vergleich zu anderen Kaffeeprodukten 2010 in Deutschland bei nur zwei Prozent. Die Getränke der Chaqwa-Kaffeeautomaten der Uni Rostock sind fair gehandelt.

Aber ist das alles nicht letztendlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Sicherlich ist wahr, dass die Anstrengungen einer Stadt dieses geringen Ausmaßes allein nicht die Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt verbessern können. Das Ziel der Kampagne »Fairtrade­ Town« ist es jedoch, überhaupt erst einmal darauf aufmerksam zu machen, unter welchen Bedingungen die Produkte in unseren Supermärkten entstehen, und die Menschen dafür zu sensibilisieren, beim Kauf darauf zu achten, Ausbeutung nicht zu unterstützen. Denn die größte Macht im weltweiten Produktionsprozess hat immer noch die Gesamtheit der Konsumenten. Daher ist die Zielsetzung der Rostocker Bürgerschaft eine begrüßenswerte Initiative. Dabei allein darf es aber nicht bleiben.

Ein Artikel von Elisabeth Woldt
Grafik von Michael Schultz

(Dieser Artikel wurde auch in der Printausgabe des heuler veröffentlicht. Du findest ihn im Magazin Nr. 95 auf Seite 27.)

Studentenrabatte in Rostock

11. Oktober 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Studenten sind in der Regel knapp bei Kasse. Zum Glück gibt es auch neben der Mensa jede Menge Läden, Kultureinrichtungen und Restaurants, die Rabatte für die Inhaber eines Studentenausweises anbieten.
Diese Karte möchte versuchen, so viele Rostocker Orte mit Studentenrabatten wie möglich zu erfassen. Helft uns, sie zu vervollständigen! Wenn ihr selber Hinweise habt, dann postet doch bitte den Ort und die Höhe des Studentenrabattes einfach als Kommentar unter den Artikel. Die Karte wird dann zeitnah aktualisiert werden.

Diese Karte wurde zuerst auf www.heulermagazin.de veröffentlicht.

Alle Macht dem halben Volke

5. September 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Wahlzettel vom 4. September sind gezählt: Die SPD unter Ministerpräsident Sellering bleibt dementsprechend stärkste Kraft und kann sich nun aussuchen, ob sie lieber die große Koalition mit der CDU fortsetzen oder zur Zusammenarbeit mit der Linkspartei zurückkehren möchte. Erstmals im Schweriner Schloss vertreten sind nun die Grünen. Die FDP verpasst den Wiedereinzug. Mit dabei ist allerdings erneut die NPD.

Das Land hat gewählt. Nun ja, zumindest rund 51 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung, denn mehr Bürger Mecklenburg-Vorpommerns hatte es am 4. September nicht an die Wahlurnen gezogen. Doch diese knappe Hälfte der Menschen in MV hat sich klar für Ministerpräsident Erwin Sellering ausgesprochen, der sich bisher noch nicht dazu geäußert hat, ob er die Koalition mit der CDU fortführen will. Angesichts von Umfragen in der Bevölkerung scheint diese Option jedoch beliebter zu sein, als eine ebenfalls mögliche Zusammenarbeit mit der Linkspartei. Für eine Regierungskoalition mit den Grünen reicht es nicht. Dennoch kann die Partei mit einem Stimmanteil von mehr als acht Prozent stolz auf ihr Ergebnis sein, denn nun sind sie in Mecklenburg-Vorpommern erstmals im Landtag und damit auch zum ersten Mal in allen Landesparlamenten der Bundesrepublik vertreten. Die FDP muss sich nach einem Rekord-Stimmverlust in die außerparlamentarische Opposition zurückziehen. Bedenklich ist es, dass die rechtsextreme NPD mehr als doppelt so viele Stimmen erhielt wie die Liberalen.

Nachwahl am 18. September und DVU-Skandal bei der Rügener CDU

Das endgültige Ergebnis wird jedoch erst zwei Wochen nach dem regulären Wahltermin feststehen. Denn durch den plötzlichen Tod des CDU-Direktkandidaten Udo Timm in einen Wahlkreis auf Rügen musste die dortige Wahl um 14 Tage verschoben werden. Furore gibt es nun auch um Timms Nachfolger Thomas Gens. Dieser soll früher in der DVU gewesen sein, wie der NDR berichtete. (Update vom 5. September: Thomas Gens wurde inzwischen aus dem CDU-Kreisverband ausgeschlossen. Quelle: OZ)

Der Blick nach Rostock

In Rostock gingen übrigens alle Direktmandate an die Sozialdemokraten. Interessant ist es auch das Ergebnis im Rostocker Wahlkreis III, also dem Kreis, der die Kröpeliner-Tor-Vorstadt, das Hansaviertel, das Komponistenviertel, die Gartenstadt, die Südstadt und Biestow umfasst. In diesen Bezirken wohnt in Rostock auch der größte Anteil der insgesamt 15 000 Studierenden. Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 59 Prozent konnten die Grünen hier 19 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Die Piratenpartei erzielte einen Achtungserfolg von 4,8 Prozent.

Und im restlichen Mecklenburg-Vorpommern?

Auch ein Blick über die Rostocker Grenzen hinweg lohnt sich. In vielen Regionen von Mecklenburg-Vorpommern wurde nämlich nicht nur der Landtag, sondern hier wurden auch die neuen Landräte und Kreistage gewählt. Außerdem konnte über die Namen der neuen Landkreise, die nun nach der Kreisgebietsreform die größten der Bundesrepublik sind, abgestimmt werden. So wurden Nordvorpommern, Stralsund und Rügen beispielsweise zu „Vorpommern-Rügen“ zusammengefasst (und nicht zum „Ostseekreis Stralsund“, was ebenfalls als Name zur Abstimmung gestanden hatte).

(Alle Ergebnisse der Landtagswahl nach Wahlkreisen aufgeschlüsselt gibt es übrigens auf der Seite der Statistischen Landesamts. Die für diesen Artikel benutzten Daten stammen vom 5. September, 01:40 Uhr.)

Alle Abbildungen stammen von Elisabeth Woldt.

Bald nun ist Landtagswahl

28. August 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Countdown bis zu Landtagswahl läuft. Am Sonntag (4. September) bittet Mecklenburg-Vorpommern zur Stimmabgabe. Doch irgendwie scheint es, als stünde der Ausgang schon lange fest. So lag die SPD bei der letzten Prognose immerhin sieben Prozent vor der CDU. Bei den kleinen Parteien könnte es aber noch mal spannend werden.

Keine Wechselstimmung in Schwerin. Sieben Tage vor der Wahl sieht es so aus, als würde die große Koalition unter Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) auch in den nächsten fünf Jahren das Bundesland regieren. Die Prognose des letzten Polit-Barometers am 26. August sagte einen klaren Sieg für die Sozialdemokraten voraus, die sich aussuchen können, ob sie lieber mit der CDU oder den Linken koalieren wollen. Die Linkspartei wird den Umfragen zu Folge ihr Ergebnis von 2006 mit 16,5 Prozent ungefähr bestätigen können. Die Grünen werden höchstwahrscheinlich erstmals in ihrer Geschichte ins Schweriner Schloss einziehen und somit auch den letzten noch verbleibenden Landtag der Bundesrepublik erobern. Unklar ist, ob der FDP der Wiedereinzug gelingt. Auch die NPD könnte dieses Mal draußen bleiben.

Den anderen Optionen zum Trotz scheinen alle Zeichen für die Fortsetzung der rot-schwarzen Regierungskoalition zu sprechen. Erst Recht seitdem die Landesfraktion der Linkspartei erst vor kurzem in der bundesweiten Presse negatives Aufsehen erregt, als unter anderen die frühere Sozialministerin des Landes, Marianne Linke, bei einer Schweigeminute zum Gedenken der Maueropfer sitzen geblieben war und damit eine neue Debatte über die Rechtmäßigkeit des Mauerbaus innerhalb der Linken ausgelöst hatte. Führende Politiker der Partei aus der Region, wie z.B. Bundestagsmitglied Steffen Bockhahn und der Landeslisten-Spitzenkandidat Helmut Holter, distanzierten sich zwar von relativierenden Äußerungen, doch ein Nachgeschmack von den internen Streitigkeiten rund um Mauerbau, Castro-Glückwunschkarte und Kommunismusdebatte wird wohl dennoch bleiben. Marianne Linke steht jedoch jetzt erst einmal nicht mehr auf der Landesliste.

Erster Einzug der Grünen ins Schweriner Schloss– Zitterpartie für FDP und NPD

Die Grünen konnten in Mecklenburg-Vorpommern währenddessen den Aufwind vom bundesweiten Trend nach Fukushima bewahren. Die FDP hingegen scheint nicht mehr aus dem Stimmungstief herauszukommen. Im Moment deuten die Prognosen auf Verluste von rund 5 Prozent der Stimmen hin. Das könnte fünf Jahre parlamentarische Opposition bedeuten. Gewissheit wird es aber erst zwei Wochen nach der Wahl geben. Denn durch den Tod des CDU-Politikers Udo Timm, der für einen Wahlkreis auf Rügen kandidierte, finden auf der Insel am 18. September Nachwahlen statt. Diese könnten das Zünglein an der Wage für FDP, aber auch NPD bedeuten. Beide Szenarien sind nicht unwahrscheinlich.

Fast die Hälfte aller Wähler ist noch unentschlossen

Doch noch wissen den Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen zu Folge 48 Prozent der Wahlberechtigten in Mecklenburg-Vorpommern nicht, welcher Partei sie am Sonntag ihre Stimme geben sollen. Ein heißer Wahlkampf ist ausgeblieben. Die SPD war mit nichtssagenden Slogans wie „Gut, wie das Land“ unterwegs, die CDU war für die Plakataufschrift “C wie Zukunft“ vor allem belächelt worden. Immerhin: Die Storch-Heinar-Aktion erregte durchaus Aufsehen. Doch auch die NPD ist in den letzten Wochen vor allem in den ländlichen Gebieten präsent gewesen.

Einen Wahl-O-Maten der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern leider nicht – Angebote, die dem unentschlossenen Wähler bei der Entscheidung helfen wollen, bleiben trotzdem zahllose.
So bietet der NDR beispielsweise einen Kandidatencheck. Online können hier die Positionen der Direktkandidaten im eigenen Wahlbezirk zu den wesentlichen Themen miteinander verglichen werden. Die Landeskonferenz der Studierendenschaften bietet einen speziell hochschulpolitischeen Kompass. Die Landtagswahlzeitung wahlweise, die vom Jugendmedienverband herausgegeben und deren Druck von der Landeszentrale für politische Bildung finanziert wurde, liegt derzeit an allen Schulen MVs aus, wo sie Erstwähler und Wähler von morgen über die politischen Geschehnisse des Landes informieren soll. Auf der Website des Projekts findet man außerdem einen Parteiencheck, der viele wichtige Positionen aller antretenden Parteinen zusammengetragen hat.

TV-Duell der Spitzenkandidaten

Wer sich die Politiker mal mit eigenen Augen ansehen will, hat in der kommenden Woche noch Gelegenheit dazu. Auch die letzten Tage werden schließlich so gut es geht genutzt, die letzten unentschlossenen Wähler zu mobilisieren. Auch die Bundespolitikprominenz darf da nicht fehlen. Am Dienstag lassen sich dann noch mal die Spitzenkandidaten Erwin Sellering (SPD) und Lorenz Caffier (CDU) zum TV-Duell beim NDR bitten. Der Linkenkandidat Helmut Holter war übrigens zuvor ausgeladen worden. Er hofft nun, sich via Internet in die Diskussion einbringen zu können.

Und nicht vergessen: Auch denjenigen, die einen spontanen Kurzurlaub für’s Wochenende geplant haben, denen anderweitig kurzfristig etwas dazwischen kommen könnte oder die schlicht vergessen haben, dass Landtagswahl ist, bleibtdie Chance zum Urnengang. Noch bis Freitag (2. September, 12:00 Uhr) können Briewahlunterlagen (auch per Mail) beantragt werden.

 

Abbildungen:

– Schweriner Schloss: (cc) Jens Pustlauk / jugendfotos.de

-Grafik: (cc) Elisabeth Woldt / ZDF-Politbarometer, Daten der Forschungsgruppe Wahlen

Film:

-Videobericht von der wahlweise-Politikwerkstatt / (c) Regionalzentrum für demokratische Kultur

Dieser Artikel wurde zuerst auf heulermagazin.de publiziert.