Mission Bachelor-Arbeit (Teil 1): Der arabische Frühling – eine Facebook-Revolution?

14. November 2011 § 4 Kommentare

Finalement ist die Anmeldung zur Bachelor-Prüfung beim Prüfungsamt abgeben –  inklusive der Bestätigung, dass ich mein Modul für interdisziplinäre Studien absolviert habe und der Unterschriften meines Erst- und Zweitkorrektors. Vor ein paar Tagen kam jetzt auch die Bestätigung, dass ich zugelassen wurde. Im inzwischen siebten Semester ist der Berg des von mir angehäuften Wissens und der ausprobierten Methodik also angeblich umfangreich genug, mir die Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit dieser Art zuzutrauen. Das meint sogar die Dame vom Prüfungsamt, deren Optimismus und Kooperationsbereitschaft in Bezug auf Studenten normalerweise nicht der Rede Wert ist. Ob die Annahmen zutreffen, gilt es noch zu beweisen.

Acht Wochen Zeit habe ich dafür. Der 15. Januar ist Tag X der Abgabe. Bis dahin sollten meine Gedanken auf mindesten 40 Seiten festgehalten sein. Danach wartet noch das Kolloquium auf mich.

„Die Rolle neuer Medien im arabischen Frühling“. Den genauen Fokus dieser Formulierung gilt es noch im Laufe des Arbeitsprozesses zu entdecken und im Untertitel festzuhalten. Es handele sich um ein sehr interessantes Thema, wird mir von allen Seiten versichert, sogar von jenen, die bisher noch nicht allzu viel mit meinem Studium anfangen konnten. Das sei ja richtig aktuell! Genau dieser Aspekt scheint es aber zu sein, der meinen Dozenten das größte Kopfzerbrechen bereitet (vorausgesetzt irgendein Dozent hat sich auch nur mal annähernd weiterreichende Gedanken über mich und mein Studium gemacht…). Mit fundierter wissenschaftlicher Literatur wird es an so einer Stelle natürlich dürftig, was auch mir bei meiner Vorabrecherche durchaus nicht entgangen ist. Interessant bleibt das Thema dennoch allemal. Ob es interessant genug ist, mich über hunderte Seiten von Fachliteratur hinweg zu motivieren, wird sich wohl ebenfalls erst noch zeigen.

Das Machtnetze durch Diskurse strukturiert werden, ist durch Foucault eine in der Wissenschaft bereits lange bekannte und breit akzeptierte Theorie. Und haben nicht Akteure der Zivilgesellschaft durch die Welt von Facebook, Blogs, Twitter und Co tatsächlich ganz neue Möglichkeiten, sich zu artikulieren, diese Machtnetze damit neuen Einflüssen auszusetzen und sie vielleicht sogar neu zu spannen, wenn man die Systemumbrüche in Ägypten und Tunesien betrachtet? Oder sind das wirklich nur Träumereien junger fortschrittsverliebter Idealisten, die die Möglichkeiten des Web 2.0. und vor allem die Bereitschaft der Menschen sich anspruchsvoll darin einzubringen sowie aus dem dort enthaltenen schier unendlichen Wissenspool zu schöpfen, einfach überschätzen?

Die ersten Aufsätze, die ich las, scheinen eher die zweite Frage zu bejahen. Der Aufsatz von Jon B. Altermann trägt den Titel „This Revolution will not be Tweeted“. Altermann erklärt darin, dass es noch immer die traditionellen Medien waren, die die wichtigste Rolle im arabischen Frühling gespielt haben. Es sei vor allem das Fernsehen und zwar insbesondere al-Jazeera gewesen, das die Ereignisse antrieb, ihnen das Label Revolution aufdrückte und die Bilder in die ganze Welt ausstrahlte. Zugleich erwähte er jedoch auch den Umstand, dass viele der Bilder, die dort gezeigt werden, von den Demonstranten selbst stammen und via Social Media zur Verfügung gestellt wurden. Auch benennt Altermann den Umstand, dass die Schwelle zum Aktivistendasein enorm gesenkt wurde, da ja bereits die Aufnahme eines Fotos oder Films politische Aktivität begründen konnte. Es bleibe jedoch die Problematik, dass auch neue Medien nicht dabei helfen Verfassungen auszuarbeiten oder Parteien zu gründen oder überhaupt die Mehrheit der Menschen außerhalb der großen Städte zu erreichen.

Welcher These ich mich letztendlich in meiner Bachelor-Arbeit anschließen werde – ich weiß es nocht nicht. Doch noch habe ich Lust, mich intensiv mit der Thematik zu beschäftigen und es herauszufinden. Wer auch immer etwas anzumerken hat, ist an dieser Stelle herzlich eingeladen, das zu tun.

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§ 4 Antworten auf Mission Bachelor-Arbeit (Teil 1): Der arabische Frühling – eine Facebook-Revolution?

  • Jens-Peter Woldt sagt:

    Ich bin stolz auf dich!

  • Tino. sagt:

    Das liest sich schon sehr spannend!
    Ich wünsche dir viel Erfolg und bin gespannt, mal reinzulesen. :-)

  • berliner1175 sagt:

    Hallo,

    bin gerade bei meinen ersten Recherchen zum Thema Politik in WordPress über Deine Seite gestolpert und muss sagen „Gefällt mir!“ sehr! (Gibt ja leider keinen Button dafür … ;-) )

    Ich habe mir erlaubt ein Abo für den Blog abzuschließen – in meinem Hotelzimmer – und hoffe darauf, in Zukunft ein positives Fazit aus dieser Art von Haustürengeschäft für mich ziehen zu können. ;-)

    Beste Grüße und viel Spass noch ….

    Das Daniel

  • Lili sagt:

    Hallo
    Das hört sich sehr spannend an. Mich würde interessieren, wie deine vollständige Arbeit aussieht, also ich würde sie gerne lesen. Kann man sie irgendwo herunterladen?

    Viele Grüsse
    Lili

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