Grünes Urgestein Ströbele zu Gast an der Uni Rostock

1. Juni 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Auf Einladung der Grünen Hochschulgruppe war am 30. Mai Bundestagsmitglied Hans-Christian Ströbele an der Uni zu Gast. Vor den überfüllten Reihen des Hörsaals sprach er von seinem Werdegang, der Geschichte der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ und von seiner Haltung zu den Einsätzen der Bundeswehr.

Es ist 19:30 Uhr und noch nie habe ich den Hörsaal 224 vom Campus Ulmenstraße so gefüllt gesehen. Schon gar nicht bei Veranstaltungen zur politischen Bildung. Weitere Stühle werden in den Raum getragen. Die Anwesenden der Grünen Hochschulgruppe (GHG) sehen mehr als zufrieden aus, denn sie waren es, die Hans-Christian Ströbele – Grünes Urgestein, langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestages und bekennender Fahrradfahrer – zu dieser Veranstaltung eingeladen haben. Dieser kommt mit kleiner Verspätung. Schließlich galt es heute Nachmittag noch die Sonderfraktionssitzung zum Atomausstiegs-Kompromiss der Regierungskoalition zu bewältigen. Da sieht der über 70-Jährige durchaus etwas geschafft und außer Atem aus, als er den Raum betritt. Der „Atomkraft? – Nein danke!“-Aufkleber sitzt etwas schief an der beigefarbenen Jacke. Doch nichts davon ist zu bemerken, als er mit seinem Vortrag beginnt. Ströbele spricht von seinem persönlichen Werdegang, seinem Umgang mit der RAF, von der Entstehung der Partei der Grünen, von seiner kurzen anfänglichen Skepsis gegenüber der Anti-AKW-Bewegung und natürlich über seine Zeit im Bundestag. Er wurde als „Zeitzeuge“ geladen, wie auch Fabian Nehring, Mitglied der GHG, vor dem Vortrag klarstellt. Doch erwartungsgemäß verschwimmen angesichts der Fragen aus dem Publikum dann doch an mancher Stelle die Grenzen zur Parteiveranstaltung.

„Die haben ja Recht gehabt!“

Den aktuellen Erfolg und die hohen Umfragewerte seiner Partei führt Ströbele vor allem auf die Tatsache zurück, dass die vormals grünen Themen, die bereits vor 30 bis 40 Jahren zentrale Anliegen der Gründungsmitglieder waren, inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien. Auf den Einwand aus dem Auditorium, ob nicht auch die Schwäche der Volksparteien ein wichtiger Grund sei, reagiert er: „Dann könnten sie ja auch die FDP wählen. Theoretisch denkbar. Oder die Linken. Oder noch schlimmer.“ Das Publikum lacht. Es ist fast komplett auf der Seite des Grünen-Politikers. Wirkliche Skepsis wird erst offenbar, als es um die Positionen der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ in Bezug auf wirtschaftliches Wachstum geht oder auch in Bezug auf Ströbeles strikte Ablehnung militärischer Interventionen. Dann folgt aber wiederum auch erneutes spontanes zustimmendes Tische klopfen, als er die Freude Angela Merkels nach dem Tod Bin Ladens als verfassungswidrig bezeichnet. Es ist allem Anschein nach eine Gradwanderung, auf die sich die Zuhörer im Raum begeben haben – irgendwie zwischen realpolitischer sowie parteiverdrossener Bedenken und dem Ansteckungspotenzial von Ströbeles unverwechselbaren und erfrischenden Idealismus.

„Ich hab‘ ja sieben Jahre Regierung – das muss ich zu meiner Schande und zu meinem Lob sagen – mitgetragen.“

Er macht keinen Hehl daraus, dass Politik in der Regierungskoalition immer auch ihre schwierigen Kompromisse bringt. Kurz wirkt es sogar so, als würde er Angela Merkel als Menschen mehr schätzen, als Gerhard Schröder. Vor allem ihre „umgängliche Art“. Damit spricht er natürlich auch von den Hartz-IV-Reformen und dem Afghanistan-Einsatz. Er hat für keine der beiden Entscheidungen im Bundestag gestimmt. Doch für Ströbele gibt es an solchen Verhaltensweisen in keiner Weise etwas auszusetzen, wenn man seine Anliegen immer transparent, nach besten Wissen und Gewissen und natürlich mit Blick auf die Basis gestalte.

Ein Ansatz, den er auch während des Vortrags praktiziert, der auf die Interaktion mit dem Publikum setzt. Außerdem muss jeder zweite Fragensteller weiblich sein und über eine mögliche Pause wird natürlich demokratisch abgestimmt. Die Mehrheit will ihm weiterlauschen, doch nach knapp zwei Stunden beginnt der Raum dann doch spürbar leerer zu werden. Es ist 22:00 Uhr, als die letzte Frage beantwortet wird. Nicht alle können eben mit der erstaunlichen Kondition des betagten Mannes am Podium mithalten.

Dieser Artikel wurde zuerst auf www.heulermagazin.de veröffentlicht.

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