Interview mit Frederik Vedersø von der Band „The Eclectic Moniker“

11. März 2010 § 2 Kommentare

Am Sonntag ist auf der Kleinkunstbühne im Rostocker Ursprung die dänische Band „The Eclectic Moniker“ zu Gast. In Vorfreude auf dieses vielversprechende Konzert, durfte der Politurblog dem Sänger und Gitarristen der Band, Frederik Vedersø, einige Fragen stellen.

(Das ursprügnliche Interview wurde in englischer Sprache geführt. Die originalen Wortlaute sind weiter unten zu finden)

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Was kann man sich wörtlich unter einer „eklektischen Moniker“ vorstellen und inwiefern ist der Name musikalisch Programm? Oder habt ihr es euch nur nicht getraut, die Band „epileptische Monika“ zu nennen?

Eigentlich war unsere erste Wahl „The Ecliptical Monitor“…
Nein, „eclectic“ bezeichnet wortwörtlich etwas, dass sich aus verschiedenen Quellen zusammensetzt. Ich dachte, dass das Sinn macht, weil ich sehr viele musikalische Erfahrungen für meine eigene Musik heranziehe. Ich bin so was wie das Produkt, der Musik, die ich gerne höre. Ich versuche dann alles auf die originellste Art und Weise und hoffentlich mit meiner ganz persönlichen Note neu zusammenzusetzen.
„Moniker“ bedeutet wörtlich „Name“ oder „Spitzname“.
Also ist „The Eclectic Moniker“ der Name unter dem ganz viele fantastische Teile zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt werden.

Würdest du das Ergebnis dieser Mischung zusammenfassend eher als Pop, Indie oder doch als etwas Abstruseres beschreiben?

Grundlegend ist es Pop-Musik. Irgendwann wurde ich einfach müde, mir diese ganzen leblosen Shoegaze Bands anzusehen. Also dachte ich mir, dass ich Musik machen sollte, die extrovertierter ist, die Körper und Geist gleichermaßen anspricht.
Es gibt jedoch noch viele weitere musikalische Referenzen neben dem Pop. Ich bin ein großer Paul Simon Fan und Miles Davis habe ich schon immer verehrt. Vor einigen Jahren hörte ich dann erstmals elektronische Musik, wie zum Beispiel Justice, Depeche Mode und Daft Punk, und das hat mich ebenfalls beeinflusst. In den letzten zwei Monaten habe ich fast ausschließlich Vampire Weekend und Dirty Projectors gehört. Ich glaube, dass diese beiden Bands wirklich zu etwas neuem und interessantem fähig sind.

Wenn man eure musikalische Entwicklung ein wenig verfolgt hat, dann fällt auf, dass sich in der letzten Zeit afrikanische Einflüsse in die Musik geschlichen haben. Wie kam es dazu?

Auf unserer myspace-Seite steht „Pop/Afro/Electronica“ – ich weiß auch nicht, wer das entschieden hat, aber lass uns einfach mal im Moment dabei bleiben…
Meine Liebe zur afrikanischen Musik begann, als ich ungefähr acht Jahre war. Einer meiner besten Freunde, ein irisch/dänisch/norwegischerTyp, kommt aus einer sehr internationalen Familie und bei ihm zu Hause trieben sich immer viele interessante Leute aus allen möglichen Ländern herum. Darunter waren auch oft einige Afrikaner und wir hatten diese coolen Abendessen mit diesem leckeren afrikanischen Essen und diesen großartigen Leuten. Dabei durfte man immer nur die rechte Hand benutzen, weil die linke traditionell zum Hintern abwischen diente. Nach dem Essen holten sie ihre Trommeln raus und dann wurde die ganze Nacht gejamt. Großartig.
Der Vater des Freundes spiele in einer afrikanischen Trommel- und Tanz-Gruppe und für uns Kinder gab eine kleine Version dieses Projekts. Diese Energie ist also definitiv schon sehr viele Jahre Teil meines Lebens.
In letzter Zeit habe ich auch etwas Fela Kuti gehört, was sicher ebenfalls Einfluss auf die Musik der Band hatte.
Ich glaube einfach, dass afrikanische Musik irgendwie noch ursprünglich ist, etwas dass in jeden von uns nachhallt. Du musst dich einfach bewegen, wenn du diesen Beat hörst!

Auf welche Weise ist es möglich, die Komplexität eurer Musik letztendlich mit nur drei Mann auf der Bühne für das Publikum umzusetzen?

Wir legen einfach die CD ein und hängen am Tresen rum…
Nein, da wir ein Trio sind und wir trotzdem einen fetten Sound haben wollen, gibt es natürlich einen backtrack, aber wir bemühen uns, es so real wie möglich zu halten und spielen die wichtigsten Parts selbst, so dass man nicht das Gefühl bekommt, einer Aufnahme zuzuhören. Wir haben während des Konzerts einiges zu tun. Es klingt wie Livemusik und das ist es auch.

Einige Leute aus der Gegend werden Dich ja noch aus der Jazz-Formation QUARTz kennen. Ist Pop für dich die Erholung vom Jazz oder Jazz der musikalische Anspruch als Ausgleich zum Pop? In welcher Musikrichtung fühlst du dich eher zu Hause?

Ich denke es wäre wirklich lahm, Musik als mein Zuhause zu bezeichnen… (kannst du die Geigen spielen hören?)
Für mich gibt es Pop in Jazz und umgekehrt. Wenn wir mit QUARTz spielen, findet man Pop-Elemente in der Musik und auf den Eclectic Konzerten findet man ebenfalls Elemente aus der Improvisation. Ob ich nun Pop oder Jazz spiele, ich versuche einfach zu spielen und nicht so viel darüber nachzudenken, was das eigentlich ist. Wann auch immer ich zu viel darüber nachdenke, bau ich sowieso Mist…
Ich mag beides Pop- und Jazz-Musik und eine Menge anderer Genres übrigens auch… Ich vermute, dass ich einfach ein bisschen „eclectic“ bin, was meinen Musikgeschmack betrifft…

Mit QUARTz gab es ja bereits einige Konzerte in Rostock, Greifswald und auch auf der Insel Rügen. Mit „The Eclectic Moniker“ stehen nun auch wieder Greifswald und Rostock auf dem Tourplan. Woher kommt diese Beziehung zu Mecklenburg-Vorpommern?

Wir waren einfach froh nach Meck-Pomm eingeladen worden zu sein, als es damals mit QUARTz losging und wir wussten nicht wirklich, was man erwarten kann. Aber es zeigte sich, dass die Leute uns gegenüber so freundlich, großzügig und interessiert waren, dass wir schnell eine Menge Freunde hier unten finden konnten. Ich denke, dass viele dieser Beziehungen ein ganzes Leben halten werden und ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit hier ab und zu zu spielen.

Irgendwelche letzten Anmerkungen, die du mit dem Leser teilen möchtest?

Ich möchte mich bei denen bedanken, die sich dieses ganze Zeug durchgelesen haben und ich hoffe, dass ihr vorbeikommt, um mit uns beim Gig zu feiern!

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Und nun noch einmal in der englichen Originalversion:

What does „eclectic moniker“ mean literally and how is this name related to your music and performance? Or didn’t you dare to call the band „epileptic Monika“?

Actually our first choice was The Ecliptical Monitor….
No, Eclectic literally means something consisting of parts selected from various sources. I thought it made good sense due to the fact, that I draw heavily on a lot of the stuff I’ve been listening to during my life, when I make my own music. I’m kind of a product of music that I love listening to. I then try to put it together in the most original way I can, leaving my own mark on it, hopefully.
Moniker simply means „name“ or „nickname“.
So The Eclectic Moniker is the name under which a lot of fantastic parts is put together to then be presented as a coherent whole.

Would you describe your musical mixture rather as Pop, Indie or something more extraordinary?

It’s basically pop music. At some point I got really tired of looking at shoegaze bands that looked like dead people on the stage, so I told myself that I ought to make some more extrovert music that spoke to the body as well as the mind.
There’s a lot of other references in there as well of course besides pop. I’m a big Paul Simon fan, and I’ve always loved Miles Davis. A few years back heard some electronic stuff for the first time, like Justice, Depeche Mode and Daft Punk, and that’s been an influence as well. For the past 2 months I’ve almost exclusively listened to Vampire Weekend and Dirty Projectors. I think those 2 bands are really on to something new and interesting.

Looking at the development of your style, how come that you can find elements of African music in your songs lately?

On our myspacepage it says Pop/Afro/Electronica – don’t know who decided on that, but let’s just stick with it for now…
My love for african music started when I was about 8 years old. One of my best friends, an irish/norweigian/danish guy, comes from a very international family and there was always a lot of interesting people from all kinds of countries at their house, which was kind of like my second home at that time, cause we used to do everything together. There would also often be african people and we would have these cool dinners with delicious african food and great people and you could only eat with your right hand, because they traditionally used their left hand to wipe their asses with! Then they’d pull their drums out and jam all night long. Great stuff.
There was an african drum and dance troup that his father played in and they started a mini version of the group for us kids, where my friend and I started. So that energy has definetely been a part of my life for many years now.
Recently I’ve been checking out Fela Kuti, and that has had some impact on the sound of the band as well.
I think african music is some kind of original ancient music, that really resonates with all of us. You just want to move to the music when you hear that beat!

How is it possible to realise the complexity of your arrangements live on stage?

We just put a tape on and go hang out in the bar…
No, since we’re a trio and we want to have a big sound, we have some stuff on a backtrack, but we try to keep it as real as possible, playing the most important parts live ourselves, so you don’t really get the feeling of listening to a recording. But we’re all pretty busy during the show. It sounds like livemusic, and it is.

Some people around here may recognize you as a member of the Jazz Band Quartz. Is Pop the recreation from Jazz, or is Jazz the intellectual challange in comparison to Pop? What would you call home, Jazz or Pop?

I think I would just be really lame and call music my home… (can your hear the violins playing?)
For me there’s pop in jazz and vice versa. When we play with QUARTz there’s also elements of pop and we have some improvisatinal elements in The Eclectic concerts as well. Whether I’m playing pop or jazz I try to just play and not think so much about what I’m playing. Whenever I think too much I fuck it up anyway…
But I love both Pop and Jazz music, and a whole lot of other genres for that matter…
I guess I’m just a little Eclectic in my taste of music when it comes down to it.

With Quartz you already did several gigs in Rostock, Greifswald and on the isle of Rügen. With the eclectic you are once again returning to Rostock and Greifswald. How come you have such a relation to „Mecklenburg-Vorpommern“?

We were lucky to be invited to meck-pomm when we started QUARTz and we didn’t really know what to expect. But it turned out that people were so kind, generous and interested in us, so we quickly made a lot of dear friends down here. I think many of these relationships is going to last for as long as we live, and I’m very thankful to have the possibility to come and play here once in a while.

Any last thoughts you would like to share with the reader?

I would like to say thanks a lot for reading through all this shit and I hope you come and have a big party with us at the gig!

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