Nachlese Kopenhagen – Klimapolitik nach der gescheiterten Konferenz

11. Februar 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Rückblick auf den Vortrag von Felix Ekardt am 11.02.2010 im Böll-Haus Rostock

Die UN-Klimakonferenz von Kopenhagen gilt gemeinhin als gescheitert. Wie aber soll es nun weiter gehen mit dem globalen Klimaschutz?

Dieses Thema stellte die Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Ökohaus und dem Eine-Welt-Landesnetzwerk zur Diskussion.

Das Einleitungsreferat hielt Felix Ekardt, Professor für Umweltrecht an der Universität Rostock.

„Es geht um Menschenleben!“
Die enorme Wichtigkeit der Problematik steht für den Wissenschaftler außer Frage. „Der Klimawandel stellt die größte Bedrohung des 21. Jahrhunderts dar.“ Es gehe um den Frieden, um milliardenschwere wirtschaftliche Belastungen, um nichts weniger, als die Existenz von Millionen von Menschen in der Welt. Warum also kann man sich überhaupt gegen den Klimaschutz stellen?

Einer allein kann die Welt nicht retten
Für Ekardt liegt das Kernproblem in der Eigennützigkeit des Menschen, die letztendlich eine fundamentaldemokratische gemeinsame Gesamtlösung unmöglich mache. Im Wachstumsdenken und Lebensstil verwurzelt, bringen einzelne Personen, Städte, Regionen und Staaten nicht genügend Ehrgeiz auf, um die notwendigen Klimaziele zu erreichen. Nur weltweites radikales Handeln kann hier letztendlich noch helfen.

Ekardts Lösung: Ein System des globalen Emissionshandels
Trotz all dieser Schwierigkeit könnte man, Prof. Felix Ekardt zufolge, den weltweiten Klimawandel durch Pro-Kopf-Emissionsrechte in einem globalem Emissionshandel in den Griff bekommen. Hierbei würden ausgehend von der Weltbevölkerung, die Rechte auf Emissionsgase prozentual auf die Bevölkerung der einzelnen Länder runtergerechnet werden. Zu Beginn gäbe es weltweit noch ein Recht auf 5 Tonnen Treibhausgase, die dann aber bis 2050 Schritt bis auf 0,7% gesenkt werden würden. Innerhalb der Länder wiederum fände ein Primärenergie-Emissionshandel statt, dessen Erlös vom Staat an jeden seiner Einwohner als Ökobonus ausgezahlt würde.

Preisanreiz, Finanztransfer, Wachstumsstopp?
Die Entwicklungs- und Schwellenländer hätten im Sinne dieser Logik, überschüssige Rechte auf Emissionen, die die Industrieländen ihnen dann abkaufen könnten. Die Einnahmen aus diesem Handel würden dann dort im Blick auf die Zukunft eine alternative wirtschaftliche Entwicklung finanzieren. Über den Ökobonus, der beispielsweise in afrikanischen Ländern pro Kopf weitaus höher ausfiele als in Europa, käme das Prinzip, unter der Voraussetzung der Schaffung geeigneter Strukturen, sogar den einzelnen Menschen dort zu Gute.
Des Weiteren hätte dieses System natürlich eine preisliche Steigerung für Leistungen und Produkte gemäß ihrem Energieaufwand zur Folge. Derartige Preisanreize schüfen somit automatisch die Motivation für weitere Energiereduktionen beim einzelnen Verbraucher. Ökologischer Einkauf würde in der Konsequenz für die breite Masse sinnvoll und unkompliziert.

Keine Freiheitsbeschränkung, sondern Schaffung freiheitsschützender Regelungen
Eine solche Lösung mag vielen Menschen schmerzhaft radikal erscheinen. Natürlich geht es, trotz aller Vorteile, auch um Verzicht. Das könnte und möchte Prof. Felix Ekardt niemandem vorenthalten. Diese Maßnahmen stellen jedoch keineswegs die Unterwerfung unter eine globale Ökodikatur dar. Vielmehr geht es um die nachhaltige Sicherung der Voraussetzungen von Freiheit. Und wer kann seinen energieaufwendigen Last-Minute-Urlaub nach Südost-Asien schon noch genießen, wenn dort alles unter Wasser steht?

Zum Weiterlesen:
-Felix Ekardt: Das Prinzip Nachhaltigkeit: Generationengerechtigkeit und globale Gerechtigkeit
-Felix Ekardt: Wird die Demokratie ungerecht? Politik in Zeiten der Globalisierung
-Felix Ekardt: Cool down: 50 Irrtümer über unsere Klima-Zukunft
www.sustainability-justice-climate.eu/

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